(Foto: M&P Ingenieurgesellschaft mbH)

GRUNDWASSERSANIERUNG EINES LCKW SCHADENS IN BONN, BAD-GODESBERG

 

SCHIm Ortsteil Bonn, Bad-Godesberg befindet sich der ehemalige Produktionsstandort der Fa. Lubig GmbH. Produziert wurden Präzisionsdrehteile. Bei der Bearbeitung kam TCE als Entfettungsmittel für die Metallbearbeitung zum Einsatz. Zudem wurden MKW bei der Zerspanung eingesetzt. Handhabungsverluste und die für eine Vielzahl von LCKW – Schäden verantwortlichen Ein-tragsstellen an Kanalsohlbruch-stellen bzw. Kanalschächten führten hier zu einem groß-räumigen LCKW-Schadensfall im Grundwasser mit einer Fahnenlänge von bis zu 7 km. Die Schadensfahne reicht vom Süden bei Bad Godesberg bis in die südliche Bonner Innenstadt. Die Längserstreckung verläuft parallel zum übergeordneten Vorfluter (Rhein). Neben der direkten Rheinnähe mit komplexen hydraulischen Verhältnissen durch Rheinhochwässer sowie deren dispersiven Einflüssen im quartären Grundwasserleiter sind die geo- und hydrogeologischen Standortverhältnisse durch weitere Lockergesteinsablagerungen der Mittelterrasse sowie von seitlichen Schwemmfächersedimenten im oberen Porengrundwasserleiter charakterisiert. Auch der unterlagernde Kluftgrundwasserleiter ist von der LCKW – Verunreinigung betroffen. Das Kluftgrundwasser speist u.a. die Niederterrasse mit Grundwasser und führt somit dauerhaft zu einer Nachlieferung bzw. Grundlast an LCKW im Porengrundwasserleiter. In ca. 1,5 km Entfernung befinden sich schützenswerte Güter, wie die beiden Heilquellen im Gebiet von Bad Godesberg. Im Schadensfahnenbereich liegen zudem Trinkwassernotbrunnen, die bei der GFA Berücksichtigung finden mussten. Im Rahmen umfangreicher Voruntersuchungen zwischen 2006 und 2011 wurden erhebliche Boden-, Bodenluft- und Grundwasserverunreinigungen durch LCKW’s nachgewiesen. Bei den Untersuchungen kamen verschiedenste Erkundungsverfahren zur Erhöhung der Aussagekraft über die Herkunft und Ausdehnung des Schadens, wie MIP-Sondierungen, schichtorientierter Messstellenbau etc. zum Einsatz. Isotopenuntersuchungen wurde u.a. zur Klärung der Verursachung als auch zur Untersuchung des Abbaus eingesetzt. Es wurden bis ca. 5.700 mg/kg LCKW und bis 74.000 mg/kg MKW im Boden und in der Bodenluft bis ca. 4.300 mg/m³ erfasst. Im Grundwasser wurden im zentralen Abstrom LCKW-Gehalte von bis zu 35.000 µg/l festgestellt. Die weiteren Grundwasseruntersuchungen ergaben die o.g. ausgeprägte Schadensfahne im Stadtgebiet. Zur Berechnung der Sanierungsfähigkeit und der Sanierungsdauer des Grundwasserschadens –insbesondere für die Schadensfahne- kam eine Grundwassermodell aus unserem Hause zum Einsatz. Prognostiziert wurde eine Laufzeit der Sanierung von 15 Jahren zur Zielerreichung der Sanierung in den festgelegten Bilanzebenen I und II. In den Jahren 2011 – 2016 folgten durch M&P umfangreiche Sanierungsuntersuchungen, mit der Ziel die aufstehende Gebäude vollständig rückzubauen und den Quellterm zu sanieren. Durchgeführt wurde ein Rückbau- und Verwertungskonzept und eine Sanierungsplanung für den Boden auf dem Standort (ca. 7.600 m²) und das Grundwasser. Bereits im Jahr 2017 wurde eine Grundwassersanierungsanlage mittels p&t im direkten Abstrom nach vorheriger Ausschreibung durch unser Büro im direkten Abstrom installiert und seit September 2017 betrieben. Seit dem späten Frühjahr 2018 erfolgt der Rückbau sowie die Boden- bzw. Quelltermsanierung auf dem Standort. Der Grundwasserabstrom wird an der Grundstücksgrenze aktuell zusätzlich über eine Brunnengalerie gesichert. Die Schadensfahnensicherung erfolgt über die Brunnengalerie im direkten Abstrom.

Zur Erreichung der Zielstellung wurden folgende Maßnahmen geplant:

  • Komplettrückbau der aufstehenden Produktionshallen inkl. Tiefen-enttrümmerung und aufstehender Wohnhäuser
  • Quelltermsanierung im Lockergestein
  • Grundwasserabstromsicherung an der Grundstücksgrenze durch eine Brunnengalerie, Sicherung der Schadensfahne mittels Grundwassersanierungsanlage, Abreinigung des geförderten Wassers über drei Aktivkohlefilter und Wiederversickerung des vollständig abgereinigten Wassers in den GW-Leiter, geplante Dauer ca. 15 Jahre

Durch die Mull und Partner Ingenieurgesellschaft mbH wurden folgende Leistungen erbracht:

  • Umfangreiche Sanierungsuntersuchungen auf dem Standort
  • Planung der Bodensanierung als off-site-Quelltermsanierung auf dem Standort
  • Grundwasserströmungs und -stofftransportmodell
  • Erarbeitung eines Sanierungsplanes nach § 13 BBodSchG
  • Planung der Grundwassersanierungsanlage
  • Erarbeitung des Rückbau- und Verwertungskonzept für den Rückbau der aufstehenden Hallen sowie der angrenzenden Wohngebäude
  • Erstellung der Ausschreibungsunterlagen für die Rückbau- und Bodensanierungsarbeiten / Vorbereiten und Mitwirken bei der Vergabe
  • Ausführung der fachgutachtlichen Begleitung, örtlichen Bauüberwachung, Bauoberleitung und Projektsteuerung für die Grundwassersanierungsanlage (seit 2017), Überwachung der Sanierungsanlage, Fahnenmonitoring
  • Ausführung der fachgutachtlichen Begleitung und Unterstützung der örtlichen Bauüberwachung für den Rückbau und die Bodensanierung (Sommer / Herbst 2018)

Der Sanierungsplan wurde von verschiedenen behördlichen Institutionen in NRW (AAV NRW, LANUV NRW, Bezirksregierung Köln, Stadt Bonn) sowie einem Fremdüberwacher fachlich geprüft und abgenommen. Hintergrund dieses aufwendigen Prüfverfahrens war die Ausarbeitung der fallspezifisch bezogenen und richtungsweisenden Erarbeitung von Sanierungszielwerten. Der Schadenfall incl. des standortspezifischen Sanierungszieles wurde im Jahr 2017 bei Fortbildungsveranstaltungen vorgestellt.

AUFTRAGGEBER:
DREH- UND MASSENTEILE LUBIG GMBH & CO. KG

PROJEKTDURCHFÜHRUNG UND PLANUNG:
DIPL.-GEOL. CHRISTOPH RICHTER, M.SC. K. HERPERS (MULL UND PARTNER HAGEN)

LEISTUNGSZEITRAUM:
SEIT 2011

ORDNUNGS-/FACHBEHÖRDEN:
BUNDESSTADT BONN, AMT FÜR UMWELT, VERBRAUSCHERSCHUTZ UND LOKALE AGENDA

GESCHÄFTSBEREICH:
UMWELT- UND GEOTECHNIK

NIEDERLASSUNG:
HAGEN